Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe muss ein Ende finden. So kann ein Vertrag über fossile Brennstoffe dazu beitragen.

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27. April 2026 | Original (englisch): hier

Fossile Brennstoffe – Kohle, Öl und Gas – prägen nahezu jeden Aspekt unseres Alltags, doch dies bleibt nicht ohne Folgen. Ihre Förderung und Nutzung treiben die globale Klimakrise voran. Das Versagen unserer Regierungen, angesichts erdrückender wissenschaftlicher Beweise zu handeln, könnte durchaus die größte generationenübergreifende Menschenrechtsverletzung der Geschichte darstellen.

Regierungen aus aller Welt kommen diese Woche in Kolumbien zur ersten globalen Konferenz über den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zusammen. Dieses beispiellose Treffen bietet eine entscheidende Gelegenheit für die Bildung einer „Koalition der Willigen“, um sicherzustellen, dass ein Fahrplan für eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe verabschiedet wird.

Durch den Umstieg von umweltschädlichen fossilen Brennstoffen auf nachhaltige erneuerbare Energien, die unter Achtung der Menschenrechte erzeugt werden, können wir viele der verheerenden klimabedingten Schäden verhindern, von denen Milliarden Menschen und die Natur weltweit betroffen sind.

Klimawandel und fossile Brennstoffe – wo liegt der Zusammenhang?

Unter dem Klimawandel versteht man großräumige, langfristige Veränderungen der Temperaturen und Wetterverhältnisse auf der Erde. Seit dem 18. Jahrhundert sind menschliche Aktivitäten die Hauptursache für den Klimawandel. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe haben wir immer größere Mengen an Treibhausgasen (THG) in die Atmosphäre freigesetzt. Diese Gase speichern die Sonnenwärme, was zu einem langfristigen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur führt. Dies verursacht häufigere und schwerwiegendere Wetterereignisse wie heftige Stürme und Sturzfluten sowie langsam einsetzende Ereignisse wie anhaltende Dürren und steigende Meeresspiegel.

Die Erde erwärmt sich derzeit schneller als jemals zuvor in der Geschichte. Laut globalen Emissionsdaten aus dem Jahr 2024 stammen etwa 69 % der weltweiten Treibhausgasemissionen aus dem Energiesektor, wo fossile Brennstoffe für die Stromerzeugung, den Verkehr, industrielle Prozesse und andere Zwecke wie Heizen und Kochen gefördert und verbrannt werden.

Inwiefern hängen fossile Brennstoffe mit unseren Menschenrechten zusammen?

Die Förderung fossiler Brennstoffe treibt eine globale Klimakrise voran, die bestehende Ungleichheiten verschärft und viele Menschen und Ökosysteme gefährdet. Giftige Verschmutzung, Ölunfälle und Abfälle aus diesen Betrieben bedrohen das Menschenrecht auf Leben, Gesundheit, Wasser, Nahrung und eine gesunde Umwelt für Millionen von Menschen. Projekte im Bereich fossiler Brennstoffe gehen oft mit der Enteignung von Land indigener Völker einher, wodurch deren Recht auf Selbstbestimmung, ihre Lebensgrundlagen und ihr kulturelles Erbe mit Füßen getreten werden.

Die Infrastruktur für fossile Brennstoffe stellt an sich schon ein Risiko für die Gesundheit und die Lebensgrundlagen von weltweit mindestens zwei Milliarden Menschen dar, die in der Nähe von Förderstätten leben – das entspricht etwa einem Viertel der Weltbevölkerung. Aktivist*innen, die sich gegen Projekte im Bereich fossiler Brennstoffe einsetzen, sind mit Einschüchterung, Gewalt und sogar dem Tod konfrontiert, während sie unser Recht auf eine gesunde Umwelt verteidigen.

Oft sind es bereits marginalisierte Einzelpersonen und Gruppen, die die Hauptlast des Klimawandels tragen und deren Menschenrechte am stärksten gefährdet sind. Der Klimawandel wird jedoch fast allen Menschen auf dem Planeten schaden, da sich die Krise der Lebenshaltungskosten, die Ernährungsunsicherheit und die Umweltzerstörung verschärfen.

Es gibt immer mehr Belege dafür, dass die fossile Brennstoffindustrie seit Jahrzehnten um die schädlichen Auswirkungen der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas weiß und versucht hat, Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels zu blockieren. Trotz der Notwendigkeit, die Weltwirtschaft zu dekarbonisieren, haben Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie ihre Bemühungen verstärkt, Gewinne zu sichern und ihre schädlichen Geschäfte wie gewohnt fortzusetzen. Von Greenwashing über Lobbyarbeit und politische Spenden bis hin zu direkten Versuchen, Widerstand zu unterdrücken und Menschenrechtsverteidiger*innen im Umweltbereich zu schwächen – die Industrie hat eine Vielzahl von Taktiken eingesetzt, um ihre Gewinne zu maximieren, während die Menschenrechtsverletzungen zunehmen.

Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe muss enden

Um die Menschenrechte und unsere gemeinsame Zukunft zu schützen, muss das Zeitalter der fossilen Brennstoffe ein Ende finden. Das bedeutet einen vollständigen, raschen, gerechten und finanziell abgesicherten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie die Einstellung der milliardenschweren Subventionen für fossile Brennstoffe, die diese tödliche Industrie am Leben erhalten. Nur so können wir die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels begrenzen und sicherstellen, dass unser Planet geschützt wird, damit sowohl heutige als auch zukünftige Generationen nachhaltig und in Würde leben können.

Welche Hindernisse stehen einer Abkehr von fossilen Brennstoffen im Weg?

  • Fehlende Vorschriften zur Eindämmung der Förderung und Produktion fossiler Brennstoffe: Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) und das Pariser Abkommen legen Emissionsziele fest, jedoch keine verbindlichen Obergrenzen für die Produktion fossiler Brennstoffe, was es der Industrie, ihren Geldgeber*innen und verbündeten Regierungen ermöglicht, die Förderung auszuweiten.
  • Fallen in der internationalen Finanzarchitektur: Viele Länder mit niedrigerem Einkommen sind mit einer hohen Schuldenlast konfrontiert, was sie dazu veranlassen kann, auf die Produktion fossiler Brennstoffe zurückzugreifen, um ihre Schulden zu bedienen, und sie daran hindert, in erneuerbare Energien und Klimaanpassung zu investieren, um ihre Bevölkerung vor Schaden zu bewahren.
  • Übermäßige Abhängigkeit von privaten Finanzmitteln zur Finanzierung der Energiewende: Die einkommensstarken Länder, die die größte Verantwortung für den Klimawandel tragen, entziehen sich ihrer Verpflichtung, die Mittel bereitzustellen, die einkommensschwächere Länder für Klimaschutzmaßnahmen benötigen. Stattdessen verlassen sie sich auf private Finanzmittel. Dies treibt die Länder oft noch tiefer in die Verschuldung und schränkt ihre Möglichkeiten ein, grundlegende Dienstleistungen wie Gesundheit und Bildung zu finanzieren. Private Finanzmittel können zwar dazu beitragen, einige Klimafolgen zu mildern, sind jedoch nicht geeignet für lebensrettende Anpassungsmaßnahmen, die keinen Gewinn abwerfen.
  • Handelsabkommen, die die Interessen der fossilen Brennstoffindustrie begünstigen: Staaten, die versuchen, Maßnahmen zur Eindämmung von Projekten im Bereich fossiler Brennstoffe zu ergreifen, sehen sich oft mit Strafzahlungen an die Unternehmen konfrontiert, die sich aus Handelsabkommen ergeben, welche die Interessen ausländischer Investoren begünstigen.
  • Rechte unter Druck: Menschenrechtsverteidiger*innen im Umweltbereich und Gemeinschaften, die an vorderster Front der Klimakrise stehen, werden zum Schweigen gebracht. Viele sind Einschüchterungen, Angriffen und restriktiven Gesetzen ausgesetzt, weil sie sich gegen Rohstoffprojekte aussprechen. Diese Bedrohungen sind Teil eines weltweiten Vorgehens gegen den zivilgesellschaftlichen Raum, das durch Strafgesetze gegen Umweltaktivist*innen, eine schwache Aufsicht über Unternehmen und den zunehmenden Einsatz privater Sicherheitskräfte zum Schutz der Infrastruktur für fossile Brennstoffe noch verschärft wird.

Was ist die „Fossil Fuel Treaty Initiative“?

Die „Fossil Fuel Treaty Initiative“ ist ein Bündnis von Nationalstaaten und ein globales Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen, das sich für ein neues, rechtsverbindliches Instrument einsetzt, um einen schnellen und gerechten globalen Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle voranzutreiben. Der vorgeschlagene Vertrag über fossile Brennstoffe könnte die Voraussetzungen schaffen, unter denen Staaten in der Lage sein werden, das Ende neuer Explorationen und den Ausbau der Produktion fossiler Brennstoffe zu koordinieren, einen gerechten Ausstieg aus der bestehenden Produktion im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gestalten und einen gerechten Übergang für Arbeitnehmer*innen und betroffene Gemeinden zu finanzieren.

Er würde das Pariser Abkommen ergänzen, indem er die Angebotsseite der Klimakrise angeht und eine entscheidende Lücke schließt: Die heutigen Klimaabkommen konzentrieren sich auf Emissionen, regeln jedoch nicht die Produktion fossiler Brennstoffe, obwohl deren Förderung die Hauptursache der aktuellen Klimakrise ist. Stattdessen drängen viele Staats- und Regierungschefs weltweit weiterhin auf eine Steigerung der Produktion fossiler Brennstoffe, was dazu geführt hat, dass die globale Erwärmung auf Kurs ist, das Ziel von 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau dauerhaft zu überschreiten.

Die Vertragsinitiative findet zunehmend Unterstützung durch das Europäische Parlament, klimagefährdete Staaten, Städte, Gesundheitsorganisationen und zivilgesellschaftliche Organisationen wie Amnesty International. 

Wie würde der Vertrag über fossile Brennstoffe einen realen Wandel vorantreiben?

Der vorgeschlagene Vertrag über fossile Brennstoffe stützt sich auf drei Säulen:

  • Gerechter Übergang: Beschleunigung eines fairen Übergangs zu diversifizierten, zugänglichen und erneuerbaren Energien,
  • Nichtverbreitung: Schaffung der Voraussetzungen, um sicherzustellen, dass der Ausbau von Öl, Gas und Kohle beendet wird,
  • Gerechter Ausstieg: Abbau bestehender fossiler Brennstoffe auf ein sicheres Maß, wobei wohlhabende Länder eine Vorreiterrolle übernehmen und andere dabei unterstützen, sich anzuschließen.

Der Vertrag basiert auf den Grundsätzen der Nichtdiskriminierung, Partizipation, Transparenz, Generationengerechtigkeit und Rechenschaftspflicht und steht im Einklang mit dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs zu den rechtlichen Pflichten der Staaten, das Klima zu schützen, damit die Rechte der Menschen verwirklicht werden können.

Wie geht es weiter mit dem Vertrag über fossile Brennstoffe?

Die derzeit stattfindende Erste Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen (Santa Marta, 24.–29. April 2026) bringt Regierungen, Wissenschaftler*innen, den Privatsektor, die Zivilgesellschaft und Expert*innen zusammen, um Wege zu einem rechtlich, wirtschaftlich und sozial gerechten Ausstieg zu finden. Das Treffen wird als Plattform dienen, um die Zusammenarbeit zu koordinieren, Maßnahmen auszutauschen, die neue Treiber der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen unterbinden, und den geplanten schrittweisen Abbau der Förderaktivitäten im Einklang mit dem 1,5-Grad-Temperaturziel zu beschleunigen – ein Ziel, das durch das Gutachten des IGH bestätigt wurde.

Die Ausrichtung der Konferenz in einem bedeutenden Kohlehafen signalisiert, dass auch von fossilen Brennstoffen abhängige Volkswirtschaften einen gerechten Übergang anstreben – mit Unterstützung von Ländern, die in der Vergangenheit hohe Emissionen verursacht haben, wie beispielsweise die Niederlande, die die Konferenz mitveranstalten. Nachdem die COP30 bei der Ausarbeitung eines globalen Fahrplans für den Ausstieg ins Stocken geraten war, beabsichtigen die Gastgeber*innen der Konferenz (Kolumbien und die Niederlande), der UNO im Vorfeld der COP31, die später in diesem Jahr in der Türkei stattfinden wird, über etwaige Fortschritte zu berichten.

Amnesty International fordert, dass die Konferenz zu einem klaren Aufruf führt, unverzüglich einen Vertrag über fossile Brennstoffe auszuhandeln.

Volksgipfel für eine fossilfreie Zukunft

Parallel dazu findet als offizielles Pendant der Zivilgesellschaft der Volksgipfel für eine fossilfreie Zukunft statt, der indigene Völker, afro-stämmige Gemeinschaften, Gewerkschaften, Frauen, junge Aktivist*innen und direkt betroffene Gemeinschaften zusammenbringt. Die Erklärung des Gipfels wird in eine separate Volksversammlung am 27. April einfließen, die den am hochrangigen Segment teilnehmenden Regierungen eine einheitliche „Volks-Roadmap“ vorlegen wird, um einen Übergang zu fordern, der auf Gerechtigkeit, Gleichheit, Menschenrechten und Frieden basiert.

Was kannst Du jetzt tun?

Seit Jahrzehnten argumentieren die fossile Brennstoffindustrie und ihre Förder*innen, dass die menschliche Entwicklung fossile Brennstoffe benötige. Doch wir wissen heute, dass sie unter dem Deckmantel des Wirtschaftswachstums stattdessen Gier und Profit gedient, Rechte fast völlig straffrei verletzt und die Atmosphäre, die Biosphäre und die Ozeane zerstört haben. Wir müssen uns gegen diese schädlichen Praktiken wehren, uns gegen koloniale, extraktivistische Wirtschaftsmodelle und die Unterdrückung von Rechten, auf denen die globale fossile Brennstoffindustrie aufbaut, zur Wehr setzen und von unseren politischen Entscheidungsträgern verlangen, dass sie ihren Verpflichtungen und Zusagen nachkommen.

YDu kannst helfen, indem Du Deine Regierung aufforderst, die Initiative für einen Vertrag über fossile Brennstoffe zu unterstützen, Schuldenerlass und neue öffentliche Finanzmittel für gerechte Übergänge zu befürworten sowie Verteidiger*innen und Gemeinschaften an vorderster Front zu schützen. Du kannst Dich für sozialen Schutz und Umschulung für Arbeitnehmer*innen in der fossilen Brennstoffindustrie sowie für einen nachhaltigen Zugang zu erneuerbaren Energien für alle einsetzen. Gemeinsam müssen wir fordern, dass das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs, das bekräftigt hat, dass Umweltschutz für die Verwirklichung der Menschenrechte unerlässlich ist, vollständig umgesetzt wird.

Die Staaten müssen einen umfassenden, schnellen, fairen und finanziell abgesicherten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen sowie einen gerechten Übergang zu erneuerbaren Energien einleiten, die unter Achtung der Menschenrechte erzeugt werden. Amnesty International fordert dringend die Verabschiedung und Umsetzung eines Vertrags über fossile Brennstoffe. Dies ist unsere Chance, die Dynamik in Taten umzusetzen, um unseren Planeten und die Zukunft der Menschheit zu retten.

Eine gerechte und fossilfreie Zukunft ist notwendig und möglich. Die Menschheit muss siegen.